Bemerkungen des israelischen Präsidenten bei der offiziellen Abschiedszeremonie an den Heiligen Vater
Ihre Heiligkeit,
Herr Ministerpräsident,
Heute sind wir gekommen, um Ihnen Schalom und Auf Wiedersehen zu sagen.
Wir waren hocherfreut über Ihre Entscheidung, in das Heilige Land zu kommen. Ihre Reise in das Heilige Land war ein tief empfundenes Beispiel für das Üben geistiger Werte. Sie stellte einen wichtigen Beitrag zu den neuen Beziehungen zwischen dem Vatikan und Jerusalem dar. Sie war eine tief greifende Demonstration des anhaltenden Dialogs zwischen dem jüdischen Volk und den Hunderten von Millionen christlicher Gläubigen in aller Welt.
Ihre Äußerungen während der Reise hier haben großen Eindruck gemacht. Insbesondere Ihre Erklärung, dass der Holocaust, die Shoa, nicht vergessen oder geleugnet werden darf. Und dass Antisemitismus und Diskriminierung in jeglicher Form und an jeglichem Ort intensiv bekämpft werden müssen. Das hat unsere Herzen und unseren Geist berührt.
Ihre Heiligkeit,
wir glauben, dass neben Ihrer Pilgerreise, Ihren Gebeten und den stillen geistlichen Momenten, die die Kernpunkte Ihres Besuchs waren, Sie persönlich Ihren Besuch mit einer zusätzlichen geistigen Dimension bereichert haben, indem Sie zu Frieden inspiriert und Hoffnung und Verständnis erhöht haben.
Ich hoffe, dass Ihr Besuch Ihnen und Ihrer Delegation ermöglicht hat, die Wesenszüge unseres Landes zu erleben: Seine Schönheit. Seine Vitalität. Seine Söhne und Töchter. Die unendliche Energie seines Volkes.
Doch vor allem das aufrichtige Streben nach Frieden, das alle Israelis teilen. Frieden mit unseren Nachbarn. Frieden mit entfernten Feinden. Frieden für alle.
Der monotheistische Glaube hat viele Idole und Rituale zerschlagen. Er vertraut auf einen Allmächtigen Gott, der uns die Botschaft der Gleichheit gebracht hat. Die besagt, dass jedes menschliche Wesen nach Seinem Bild erschaffen wurde.
Monotheistischer Glaube beinhaltet verschiedene Religionen, von denen die meisten zwischen Kirche und Staat unterscheiden. Heutzutage treten niederträchtige Fanatiker auf und versuchen, eine andere Auslegung des Willens Gottes zu erzwingen. Wir glauben, dass Gott sich nach dem Leben sehnt und das Leben achtet; ihr verzerrtes Bild von Gott besagt, dass Er Mord, Terror und Gewalt zulässt und sogar ermutigt.
Die aufgeklärte Gemeinschaft sucht den religionsübergreifenden Dialog, ein Verständnis zwischen Religionen und Staaten, eine Garantie, dass alle Völker dem Gott des Friedens und der Freundschaft dienen können. Um Ihn mit Freiheit und Sicherheit zu verehren und dem Göttlichen Schöpfer dafür danken zu können, dass Er ihre Herzen mit Güte und Mitgefühl und mit Hoffnungen und Träumen bereichert.
Das ist der Gott, der Jerusalem behütet. Das ist der Glaube, der den Herzen aller Gläubigen einzuflößen ist.
Die politischen und geistigen Führer von heute stehen einer großen Herausforderung gegenüber: wie man Religion von Terror trennen kann. Wie man Terroristen daran hindern kann, das religiöse Gewissen für sich zu beanspruchen, indem sie einen Akt des Terrorismus als religiösen Auftrag verkleiden.
Ihrer Heiligkeit, ich glaube, dass Ihre große geistige Führerschaft einen Geist der Güte im Menschen beeinflussen kann, den Leuten helfen kann, zu erkennen, dass sich Gott nicht in den Herzen von Terroristen befindet.
Dies ist ein historischer Auftrag, der in Ihrer großen Fähigkeit liegt, andere zu inspirieren. Wir sind zutiefst dankbar für Ihren Besuch, denn wir kennen und schätzen Ihre Bemühungen, Brücken gegenseitiger Achtung zwischen Völkern und Nationen zu bauen.
Die Welt und das jüdische Volk haben Ihre Schritte in unserem Land mit großem Interesse und Respekt verfolgt. Ihre Beschreibung dieser Reise als eine Pilgerfahrt des Friedens war sehr bewegend. Wir sind überzeugt, dass Sie Ihren Auftrag des Friedens und der Versöhnung bei Ihrer Rückkehr in den Vatikan fortführen werden.
Ihr Streben nach Frieden und Sicherheit zwischen uns und unseren Nachbarn und auf der ganzen Welt widmet sich einer unbedingten Notwendigkeit: einem Leben ohne Ängste. Einem Leben ohne Tränen.
Ihre Heiligkeit, Papst Benedikt XVI., Worte können eigentlich nicht ausdrücken, was wir fühlen. Alles, was wir sagen können, ist ein schlichtes Danke. Sie kamen in Frieden, Sie gehen in Frieden, und wir sagen Schalom zu Ihnen.
In den Worten des Propheten Jesaja: „Denn ihr sollt mit Freuden ausziehen und in Frieden geleitet werden“. (Jesaja 55:12)
Wir wünschen Ihnen eine gute Reise.
SCHALOM